Marco Heil muss aus gesundheitlichen Gründen seine Karriere beenden. Wir verneigen uns im Rahmen eines letzten Interviews mit einem Kicker, der uns unendlich viel Freude bereitet hat.

Es gibt da dieses unendlich traurige Liebeslied von Erika Pluhar. "Es war einmal", heißt es - und in ihm "Es war einmal. Es war einmal schön". Wer bei diesem Lied, das einen schmerzhaften Abschied, die Hoffnung, es möge doch kein Abschied sein und die erschütternde Erkenntnis, das daran kein Weg vorbeiführt, beschreibt nicht Tränen in den Augen hat, lebt nicht. 

Ob es wohl Marco Heil auch so geht? Wie die Frau, von der Pluhar singt, muss es ihm gehen. Ja, gehen, das will er nicht. So oft war es knapp davor, so oft hat er gekämpft und konnte bleiben. In Pluhars Lied hat der geliebte Mann eine andere Frau. In Marco Heils fußballerischem Lebenslied ist es der Körper, der den Geist verlässt. Und einen Abschied unumgänglich macht. Und wer von uns bei diesem Lied keine Tränen in den Augen hat, der lebt den GAK nicht.

Drei Kreuzbandrisse in vier Jahren (2013 - 2017), immer waren auch der Meniskus und Seiten- und Innenbänder schwerst mitbetroffen. Ende 2017 dann noch einmal ein Riss des Innenmeniskus und des Seitenbandes. Und immer wieder arbeitete Marco Heil verbissen, mit riesigem, auch mentalem, Aufwand am Comeback. Immer kam er wieder, immer konnte er erneut begeistern. Es schien, als wäre er die personalisierte Umsetzung des Wunsches "Come back stronger". 

Das letzte Comeback von "Heili" ging aber fast doppelt unter. Gegen Hertha Wels kam er am 27. Oktober des Vorjahres in der 73. Minute zum ersten Mal seit ziemlich genau einem Jahr zum Einsatz - und traf fünf Minuten später zum 1:1. Aber gefeiert werden konnte dieses sensationelle Comeback nicht - Ihr wisst, warum.

Und dann, ein paar Tage später, Cupachtelfinale gegen den KSV in Weinzödl. Wieder kommt der Marco als Joker aufs Feld. Und prompt legt er zwei Tore auf. Klar, dass das unter ging - kam doch auch der Didi Elsneg mit gerissenem Kreuzband als 2. Joker und verwertete die Vorlagen Heils. Klar, wem die Schlagzeilen gehörten. Und irgendwie so bezeichnend für den ganzen Verlauf von Marcos Karriere. Und wie hat er mir leid getan, damals, nach beiden Matches. Aber andererseits: Marco wusste, da geht noch was. Und er ging optimistisch ins Frühjahr ...

Dann kam das allerste Training im Jänner. Kalt war es, sehr kalt. Und da war auch diese kleine Eisplatte auf dem Kunstrasenplatz. Fast müßig, zu erwahnen, wer es sein musste, der auf ihr ausrutschte. "Danach habe ich Schmerzen gehabt, habe niemandem etwas gesagt und mit Schmerztabletten trainiert", erzählt Marco im Interview im "Baltimore" am Mariahilferplatz. Dort, wo wir uns schon einmal zum Interview trafen. Ein Interview, in dem Marco einmal mehr ein Comeback ankündigte ...

"Das Cupviertelfinale gegen die Austria, da wollte ich unbedingt dabei sein. Ich hab dem Trainerteam nichts gesagt von meinen Schmerzen, bis es nicht mehr ging. Ich habe mich dann untersuchen lassen, dabei wurde ein Knochenmarksödem festgestellt, also ein innerer Bluterguss. Dass ich das Austria-Match auslassen musste hat sehr geschmerzt - sehr! Ich dachte, so ein Spiel kommt nie wieder" Aber dann war da ja plötzlich die Chance auf das Cuphalbfinale gegen Salzburg! Noch eine Chance, eine viel größere Chance auf das Comeback. Auf das Spiel der Spiele.

Schau, es gibt zwei Arten von Menschen: Jene, die klagen und jene, die kämpfen. Ich gehöre halt zu den Kämpfern. Auch bei den Verletzungen ist es bei mir so wie bei den Matches: Ich will immer gewinnen. Vor allem mein erster Kreuzbandriss hat mich sehr geprägt. Damals war ich auf dem Sprung zum Profitum, hatte nach Angeboten von Grödig und der Admira bei Sturm zugesagt. Der Heilungsprozess hat sich damals stark verzögert, weil ich mir einen Keim eingefangen habe. Meine Karriere war auf Messers Schneide, sogar eine Fußamputation stand im Raum. Ich war mehr als ein Monat im Krankenhaus, hatte damals viel Zeit zum Nachdenken. Aber natürlich kannst du dir in so einer Situation nicht nur selbst Kraft spenden, brauchst auch Familie und Freunde. Mama und Papa, mein Bruder, meine Freundin, die an meinem Krankenbett für die Matura gelernt hat – sie alle haben mich toll unterstützt. 

(Marco Heil im Interview im November 2017)

Dann kam Salzburg. Das nächste, ein riesiges Ziel. Und dann der Niederschlag. "Als ich gemerkt habe, dass ich nicht fit werde, dass die Schmerzen zu groß sind, dass es einfach nicht gehen wird, da bin ich in ein Loch gefallen. Das war hart, sehr hart. Ich war leer im Kopf. Und dann habe ich begonnen nachzudenken, ob das alles noch Sinn macht!"

Aufgeben, das ist das Wort, dass in Marcos persönlichem Wörterbuch noch fehlte. Ich kenne diesen so liebenswerten Menschen nur als jemanden, der immer gut drauf ist, immer positiv, schon auch sensibel, reflektierend - aber immer positiv. Wie muss es ihm in dem Moment gehen, wo er sich sagt, sagen muss, dass es das war?

"Ich habe mich einfach damit abgefunden. Es ist natürlich schwierig, Fußball ist ein immens wichtiger Bestandteil meines Lebens. Als Spieler wird er das jetzt nicht mehr sein. Aber: Es bleibt dafür so viel! Ich habe eine so spezielle Bindung zu diesem Verein, zu allen Leuten hier - das wird für immer so sein. Ich bin so unendlich dankbar dafür, dass ich hier Freunde fürs Leben gefunden habe. Ich bin dankbar dafür, bei einem Verein gespielt zu haben, wo so professionell, und zwar in jeder Hinsicht, gearbeitet wird. Ein Wahnsinn, wie toll der David (Preiß, Anm.) und der Spirki (Ralph Spirk, Anm.) uns auf die Spiele vorbereitet haben! Oder wie großartig der Alfred Gert als sportlicher Leiter agiert - alle Kicker, die er geholt hat, passen auch menschlich toll ins Team. Und auch den Fabio Schaupp möchte ich erwähnen - er hat einen tollen Job beim Scouting gemacht. Dieses Umfeld ist reif für die Bundesliga!"

Wie sehr Marco unser GAK am Herzen liegt, zeigt sich auch daran, dass er sich auch Gedanken über die Zukunft ohne ihn macht. "Alois Hödl, der ja ab 1. Juli das Trainerteam des GAK verstärkt, den kenne ich schon sehr lange. Der ist ein absolut netter, korrekter Mensch. Und ein guter Trainer!" Aber auch über jene, die ihn vielleicht künftig ersetzen, hat er etwas zu sagen - genauer gesagt über einen Spieler: "Der Filip Smoljan, der kann alles, der ist als Spieler und als Mensch einfach nur top!"

Die Aufstiegsfeier in der "Scheinbar" fällt mir ein. Schon dort hat Marco mir gegenüber vom Filip geschwärmt. Der Filip war auch dort - ich habe ihm gesagt, wie Marco von ihm schwärmt. Sie haben sich länger umarmt, die beiden - es stimmt halt zu 110 %, was Dominik Hackinger sagte!

Marco Heil wird alles dafür tun, dass er im letzten Spiel gegen Stadl-Paura (7. Juni, 18.45 Uhr) noch einmal spielen wird können. Er hat sich einen Applaus verdient, den man in Weinzödl so noch nie gehört hat. Und zwar von "diesen unglaublichen Fans. Einfach ein Wahnsinn, was sich die alles antun, unglaublich, wie sie die Mannschaft unterstützen!"

Ob er noch eine Botschaft hat? "Ja, ein riesiges Dankeschön! An alle beim GAK, besonders auch an den Vorstand, der mir für diese Saison noch einmal einen Vertrag angeboten hat, ich habe eigentlich gedacht, dass ich nicht mehr beim GAK bleiben kann. Das war ein toller Vertrauensbeweis! Und bedanken möchte ich mich auch bei allen HelferInnen beim GAK, beim tollen Media-Team. Ich habe so viele Freunde hier gewonnen - auch Dich, Dieter. Du bist ein geiler Typ!"

Ich habe lange überlegt, ob ich das mit dem "geilen Typen" hier schreiben soll. Dieses Kompliment ist eine riesige Ehre, auch wenn es übertrieben ist. Aber es gäbe eigentlich keinen Grund, das hier zu schreiben. Aber eben nur eigentlich. Denn es gibt schon einen Grund: Ein geiler Verein mit ganz vielen anderen geilen Typen ermöglicht es auch mir, so etwas Ähnliches zu sein. Aber vor allem sind es Personen wie Marco Heil, dieser großartige Fußballer und großartige Mensch, die das bewirken. Und dafür bin ich dankbar!

Wir alle sind Marco Heil zu Dank verpflichtet! Es werden Tränen fließen bei seinem Abschied. Die ersten, die fließen werden, werden aus Trauer fließen. Danach werden die Freudentränen kommen. Es war eine pure Freude, die wir mit Marco erleben durften. Danke Marco, dass Du so für unseren GAK gekämpft hast. Danke für all Deine Tore! Danke für unvergessliche Momente! Das alles ist Tränen wert. Und noch viel mehr!

Auch nach Deinem letzten Spiel wird gelten, was uns und Dich immer verbunden hat - und immer verbinden wird. Wir werden es ganz laut hinausschreien:

WE ARE GAK

Und wir sind alle auch Marco Heil!

 

P. S.: Es schaut gut aus, dass uns Marco als Co-Trainer der U16 und Mitglied des Trainerteams der KM II erhalten bleibt. Wer auch immer von ihm trainiert wird, sollte eines vor Augen haben: Jungs, von dem geilen Typen könnt Ihr echt etwas lernen!