GAK 1902 Aktuelles
News / Redaktion / Mittwoch 06.03.2024

„Die Biene“ ein Fünfundsiebziger

Mit seiner spielerischen Qualität und seinem Kampfgeist überzeugte Sepp Stering nicht nur die GAK-Anhänger. Als 81er-Cupheld schrieb der steirische Fußballgeschichte.

Der am 6. März 1949 in Pichling bei Köflach geborene Josef „Sepp“ Stering ließ sein Talent und sein unermüdliches Kämpferherz, das ihm den Spitznamen „die Biene“ einbringen sollte, schon in früher Jugend beim ASK Voitsberg aufblitzen. Dass dem gelernten Elektriker bereits 1968 der Sprung vom heimatlichen Regionalligaverein zum Erstligisten GAK gelang, den der Neoprofi mit fünf Saisontreffern mehr als rechtfertigte, war daher keine echte Überraschung. Das gilt in gleichem Maße auch für seine schon bald folgende Einberufung ins österreichische Nationalteam, in dessen Reihen der erst 20-Jährige 1969 gegen Malta debütierte.

Höhepunkte und tragischer Tiefpunkt einer Karriere

Nach 60 Nationalligaspielen für die Rotjacken verließ der inzwischen weithin begehrte Leistungsträger im Sommer 1972 seine steirische Heimat in Richtung Linz zum SK VÖEST, der gerade am Beginn seiner goldenen Jahre stand. In den Reihen des Werksklubs erlebte Stering schon in der Folgesaison einen ersten Meilenstein seiner eindrucksvollen Karriere, als er 1973/74 zum ersten Mal den österreichischen Meisterteller in Händen halten durfte. Nur drei Jahre später wiederholte sich für ihn diese Krönung einer Saison in der obersten österreichischen Spielklasse – dieses Mal im Dress der SSW Innsbruck, die ihn nach dem Abgang des Dänen Ove Flindt im Frühjahr des Spieljahrs 1975/76 für 2,5 Millionen Schilling als dringend notwendige Verstärkung nach Tirol geholt hatte. Ein Goldgriff für die Innsbrucker, in deren Geschichtsbücher er sich nicht zuletzt mit seinem Tor beim sensationellen 3:0 Sieg über Celtic Glasgow im Viertelfinale des Meistercups, der heute als Champions League firmiert, einschrieb. Seine spielerische Qualität und konstante Höchstform, die er in seiner Innsbrucker Meistersaison in allen 36 Ligaspielen unter Beweis stellte, schienen sichere Garanten auf dem Weg zum ersehnten Höhepunkt jeder Fußballerkarriere.

Sepp Stering im GAK Dress
Sepp Stering im August 1968 am GAK-Platz in vollem Einsatz gegen seinen späteren Arbeitgeber aus Innsbruck in seiner Debütsaison für die Rotjacken © Fischer/Sammlung GAK 1902
Als Kapitän im UEFA Cup Match
14 Jahre später als Kapitän bei der Begrüßung im UEFA-Cup-Match gegen Corvinul Hunedoara im Bundesstadion Liebenau © Fischer/Sammlung GAK 1902

Mit der von Helmut Senekowitsch betreuten Nationalelf hatte der Steirer, der in allen sechs Qualifikationsspielen in der Startformation stand, das Ticket zur WM nach Argentinien 1978 praktisch gelöst – doch das Schicksal machte seinen Plänen in Gestalt eines Admira-Verteidigers einen grausamen Strich durch die Rechnung. Ein überhartes Foul im Ligaduell mit den Südstädtern zerriss am 5. November 1977 nicht nur den Meniskus und alle Bänder im Knie, sondern auch die WM-Träume des Mittelfeldturbos. Klub- und Zimmerkollege Bruno Pezzey musste wie der Rest des legendären 78er-Teams in Südamerika ohne den rekonvaleszenten Sepp auskommen, der zum Zusehen vor dem TV-Gerät verdammt war.

Neustart in München

Glücklicherweise ließ sich das zu befürchtende Karriereende abwenden, und der Wiedergenesene heuerte 1978 bei unseren von der Cordoba-Niederlage traumatisierten deutschen Nachbarn an. Bis 1980 lief er in insgesamt 66 Bewerbsspielen für den TSV 1860 München auf, mit dem er bereits in seiner ersten Saison den Meistertitel der 2. Liga und somit den Aufstieg in die Bundesliga feiern konnte. Im Folgejahr scorte er für die Münchner Löwen in 27 Ligaspielen drei Mal und weiteres Mal im DFB-Cup, in dem die Sechziger bis ins Achtelfinale vorstießen.

Von der Isar zurück an die Mur

Im österreichischen Cup des Jahres 1981 schoss Sepp Stering am 2. Juni sein vermutlich wichtigstes Tor im Dress des GAK, zu dem er bereits im Jahr zuvor zurückgekehrt war. Mit einem souverän verwandelten Elfmeter egalisierte er in der 2. Spielminute des Cupfinalrückspiels – in diesen Jahren wurde der ÖFB-Cup in zwei Finalbegegnungen entschieden – das Ergebnis des Hinspiels vom 20. Mai in Salzburg und stieß damit das Tor zur Verlängerung auf, in der Alfred Riedl schließlich der Siegestreffer zum 2:0 gelingen sollte. Mit seinem Treffer und seiner vom Salzburger Trainer Gustl Starek explizit herausgestrichenen Kampfmoral hielt Stering den ab der 62. Minuten dezimierten GAK – Joschi Moder hatte nach einem Revanchefoul die rote Karte gesehen – nicht nur im Spiel, sondern war einer der Hauptverantwortlichen für den bis dahin größten Erfolg einer steirischen Mannschaft im österreichischen Fußball. Und er sollte dies auch bis 1986 bleiben, als er schließlich seine GAK- und Profikarriere beendet, um als Amateurfußballer und Trafikant in seine engere Heimat Bärnbach zurückzukehren.

Von den 631 Bewerbsspielen seiner Profikarriere, in die er 55.021 Minuten Lebenszeit investierte, bestritt Sepp Stering 296 in den Farben des GAK, für den der Profi 48 seiner insgesamt 144 Tore erzielte. Insgesamt lief er 26 Mal für die österreichische Nationalelf auf (davon drei Mal in Diensten des GAK) und erzielte 5 Tore. Er war zu diesem Zeitpunkt der zehnte ÖFB-Teamspieler der Rotjacken. Dafür und insbesondere für zahllose unvergessliche Momente, die er dem damals noch jugendlichen Verfasser im Stadion bescherte, ein ganz herzlicher Dank, verbunden mit den allerbesten Wünschen zum 75er!

Statistik: Die 26 Länderspiele von Sepp Stering im Nationalteam

1.) Sepp Stering kommt 1968/69 in seiner ersten Saison für den GAK in der obersten Spielklasse (damals Nationalliga) gleich auf 28 Einsätze und erzielt dabei 5 Tore. Aufgrund der starken Leistungen in der Meisterschaft debütiert der gerade 20 gewordene Stering am 27.04.1969 auswärts gegen Malta in der österreichischen Nationalmannschaft. Teamchef der Österreicher ist Leopold Stastny. Stering wird in der 49. Minute für Redl eingewechselt. Österreich gewinnt 3:1. Stering ist somit nach Stefan Kölly, Paul Halla, Kurt Eigenstiller, Herbert Ninaus, Willi Huberts, Gernot Fraydl, Walter Koleznik, Johannes Jank und Gerfried Hodschar der zehnte GAK-Spieler der es in die ÖFB-Auswahl schafft.

2.) Erst 2 Jahre später am 11.7.1971 kommt Sepp Stering wieder im Nationalteam zum Zug. Stering hat in der Saison 1970/71 groß aufgespielt und für den GAK 11 Treffer erzielt.  Stering steht erstmals in der Startformation und die Kulisse und der Gegner haben es in sich. Vor 140.000 Zusehern in Sao Paulo geht es gegen den Weltmeister Brasilien.Es ist das Abschiedsspiel der Fußballlegende Pele. Stering spielt durch. Pele bringt Brasilien in der 35. Minute in Führung. In der Halbzeit wird Pele verabschiedet. Kurt Jara gelingt in der 51.Minute der Ausgleich. In der 55. Minute versenkt Stering einen Kopfball im Tor. Doch der Treffer wird wegen einer angeblichen Abseitsstellung nicht anerkannt. So bleibt es beim für Österreich sensationellen 1:1 Unentschieden.

3.) Am 05.09.1971 steht das EM-Qualifikationsspiel in Wien gegen Schweden auf dem Programm. Stering steht in der Startformation und spielt erstmals bei einem Heimspiel für die Nationalmannschaft.

In der 23. Minute gelingt Stering der Siegestreffer. In der 43.Minute scheitert er nur knapp, muss aber in der 57. Minute nach einem Foul von Nordqvist verletzt ausscheiden und wird durch Hickersberger ersetzt.

Es ist das letzte Länderspiel von Stering als GAK-Spieler.

4.) Erst am 10.10.1973 kommt Sepp Stering (mittlerweile VOEST-Spieler) im Nationalteam wieder zum Zug.

In Hannover setzt es eine 0:4 Niederlage gegen Deutschland. Stering wird in der 87.  Minute ausgewechselt. Für ihn kommt Hans Pirkner. Bereits 2 Wochen davor setzte es für die ÖFB-Auswahl eine empfindliche 0:7 Schlappe in Wembley gegen England. Hier war Stering aber nicht im Einsatz. Die Freundschaftsspiele gegen England und Deutschland waren als Vorbereitung für das alles entscheidende Match zur WM-Qualifikation gegen Schweden gedacht.

5.) Am 27.11.1973 findet das Entscheidungsspiel auf neutralem Boden in Gelsenkirchen gegen Schweden statt. Österreich möchte sich erstmals seit 1958 wieder für eine Weltmeisterschaft qualifizieren. Das Entscheidungsspiel zur WM-Qualifikation war notwendig geworden weil Österreich und Schweden punktegleich in der Tabelle lagen. In Wien hatte Österreich 2:0 gewonnen, das Match in Göteborg konnten die Schweden mit 3:2 für sich entscheiden. Beide Partien finden ohne Stering statt. Das Match in Gelsenkirchen wird auf Schneeboden gespielt. Die Schweden gehen durch Sandberg und Bo Larsson schnell in Führung. Hattenberger gelingt noch vor der Pause der Anschlusstreffer. In der zweiten Hälfte, in der Stering in der 60. Minute für Hasil eingewechselt wird, werfen die Österreicher alles nach Vorne. Der Ausgleich gelingt trotz einiger Großchancen nicht mehr und die Weltmeisterschaft 1974 findet wieder ohne Österreich statt.

6.) Am 01.05.1974 ist Stering beim Länderspiel in Sao Paulo gegen Brasilien 90 Minuten im Einsatz. 123.132 Besucher sind im Spielbericht verzeichnet und der Underdog Österreich erreicht gegen den noch amtierenden Weltmeister wie vor 3 Jahren ein Unentschieden. Stering‘s Klubkollege im Tor, Herbert Rettensteiner kann dabei einige Großchancen der Brasilianer vereiteln und das 0:0 sichern.

7.) Sepp Stering, mittlerweile frischgebackener Meister mit der VOEST, ist beim Freundschaftsspiel am 08.06.1974 in Wien gegen Italien wieder in der Startformation und spielt 90 Minuten durch. Das Match endet 0:0, wobei Hans Krankl zwei gute Möglichkeiten zum Siegestreffer auslässt.

8.) Am 04.09.1974 geht es in der EM-Qualifikation zu Hause gegen Wales. Die ÖFB-Auswahl kann den Rückstand aus der 1.Spielhälfte drehen und gewinnt durch Tore von Kreuz und Krankl noch 2:1. Sepp Stering ist dabei 90 Minuten im Einsatz.

9.) Nach Beginn der EM-Qualifikation wird am 28.09.1974 noch ein Freundschaftsspiel in Wien gegen Ungarn eingestreut. Stering ist dabei die volle Spielzeit im Einsatz. In der 45.Minute ist der ungarische Keeper bereits geschlagen als Stering Richtung Tor köpfelt. Doch der ungarische Libero Hasanyi kann auf der Torlinie retten. Durch einen Treffer von Krankl gewinnt Österreich 1:0.

10.) Am 13.11.1974 findet in Istanbul ein freundschaftliches Länderspiel gegen die Türkei statt. Bereits in der 4.Minute gelingt Stering volley der Siegestreffer. In der 73.Minute wird Stering durch Franz Hasil ersetzt.

11.) Beim EM-Qualifikationsspiel am 16.03.1975 auswärts gegen Luxemburg steht Stering in der Startformation. Österreich gewinnt nach Rückstand 2:1 wobei Stering den Assist zum Ausgleich durch Köglberger gibt. Krankl gelingt in der 73.Minute der Siegestreffer.

12.) Am 07.06.1975 findet in Wien ein freundschaftliches Länderspiel gegen die CSSR statt. Stering wird in der 75.Minute für Welzl eingewechselt. Das Spiel endet 0:0 ist von geringem Niveau. Selten geht der Ball über mehrere Stationen und in den Zeitungsberichten ist von einer wahren Fehlpassorgie in der 2.Halbzeit die Rede.

13.) Sepp Stering, mittlerweile bei SSW Innsbruck im Einsatz, verfolgt das Freundschaftsspiel am 03.09.1975 in Wien gegen die BRD zunächst von der Ersatzbank aus. Nach dem Führungstreffer der Deutschen wird Stering in der 66.Minute für Köglberger eingewechselt. Die Deutschen gewinnen 2:0 wobei Beer beide Treffer erzielt.

14.) Unter Teamchef Branko Elsner wird Sepp Stering in den Teamkader für das EM-Qualifikationsspiel am 19.11.1975 gegen Wales in Wrexham einberufen. Österreich verliert 0:1. Nach dem Führungstreffer der Waliser wird Stering in der 69. Minute für Kurt Welzl eingewechselt, kann dem Spiel aber auch keine Wende mehr geben.

15.) Inzwischen ist Helmut Senekowitsch Teamchef der ÖFB-Auswahl. In dessen 4. Länderspiel wird am 22.09.1976 als es in Linz gegen die Schweiz geht auch Sepp Stering wieder einberufen. Österreich gewinnt 3:1 , wobei Stering in der 81. Minute für Hattenberger eingewechselt wird und zu einem Kurzeinsatz kommt.

16.) Als weiterer Test vor der WM-Qualifikation findet am 10.11.1976 ein Länderspiel gegen Griechenland statt. Stering spielt über die volle Spielzeit, vergibt allerdings bereits in 3. Minute eine Chance. Österreich gewinnt deutlich mit 3:0.

17.) Am 5.12.1976 findet in La Valetta gegen Malta der Auftakt zur WM-Qualifikation für die WM 1978 in Argentinien statt. Stering steht in der Startelf. Wie erwartet machen die Maltesen vor dem eigenem Tor dicht und verteidigen mit Mann und Maus. Da es zur Halbzeit noch immer 0:0 steht, stellt Teamchef Senekowitsch um: Hickersberger wird zum Mittelstürmer umfunktioniert, Schachner spielt Rechtsaußen und Krankl rückt auf Linksaußen. Im Mittelfeld wird Stering durch Prohaska ersetzt. In der 57. Minute gelingt Krankl der Siegestreffer.

18.) Am 15.12.1976 gibt es nach Ende der Herbstmeisterschaft noch ein Länderspiel in Tel Aviv gegen Israel. Teamchef Senekowitsch lässt einige arrivierte Spieler zu Hause und gibt neuen Spielern eine Chance. So kommen Gerhard Breitenberger und Andi Pichler zu ihren ersten Einsatz in der ÖFB-Auswahl. Österreich gewinnt 3:1 wobei Walter Schachner seine ersten beiden Länderspieltore erzielt. Stering ist wieder über die vollen 90 Minuten dabei.

19.) Am 09.03.1977 findet ein freundschaftliches Länderspiel gegen Griechenland statt. Österreich gewinnt durch Tore von Robert Sara und Walter Schachner 2:0. Stering gibt den Assist zum zweiten Treffer und wird in der 76. Minute durch Peter Koncilia ersetzt.

20.) Nach den beiden Testspielen gegen Israel und Griechenland geht es am 17.04.1977 in der WM-Qualifikation in Wien vor 65.000 Zusehern gegen die Türkei. Stering gelingt in der 8.Minute beinahe der Führungstreffer: Ein Volleyschuss von Stering springt vom Lattenkreuz ins Spielfeld zurück. Österreich gewinnt 1:0. Den Siegestreffer erzielt Walter Schachner (damals noch Spieler des Zweitligisten DSV Alpine). Sepp Stering ist die gesamte Spielzeit dabei.

21.) Am 30.04.1977 findet in Salzburg-Lehen das WM-Qualifikationsspiel gegen Malta statt. Die ÖFB-Auswahl dominiert von der ersten bis zur letzten Minute und fertigt den Gegner mit 9.0 ab. Das ist bis heute der höchste Länderspielsieg einer österreichischen Nationalmannschaft. Hans Krankl erzielt 6 Tore doch auch Sepp Stering hat einen wesentlichen Anteil an diesem Rekordsieg: In der 29. Minute erzielt er aus vollem Lauf das 5:0. Davor hat er bereits das 2:0 und 4:0 jeweils durch Flanken auf Krankl, der zweimal jeweils per Kopf abschließt, vorbereitet. Das 9:0 in der 70.Minute erzielt Stering wieder selbst, verletzt sich jedoch dabei und wird in der 72. Minute durch Peter Koncilia ersetzt.

22.) Als Vorbereitung auf die wichtigen Partien gegen die DDR und die Türkei findet in Mährisch-Ostrau am 01.06.1977 ein freundschaftliches Länderspiel gegen die CSSR statt. Teamchef Senekowitsch probiert in diesem Match einige neuen Varianten aus und so kommen Peter Meister (Vienna) und Werner Zanon (Innsbruck) zu ihrem Länderspiel-Debut. Das Match endet 0:0. Stering, der mit SSW Innsbruck gerade Bundesligameister geworden ist, ist 90 Minuten dabei, kann aber auch keine spielentscheidenden Akzente setzen.

23.) Am 24.08.1977 findet ein freundschaftliches Länderspiel im Praterstadion gegen Polen statt. Österreich gewinnt 2:1 und Stering, der wieder die vollen 90 Minuten dabei ist, ist der Hauptdarsteller in dieser Partie. In der 12. Minute gelingt ihm per Hechtkopfball der Führungstreffer. Und auch beim Siegestreffer in der 30. Minute ist Stering beteiligt: Nach Foul von Rudy an Stering gibt es einen Freistoß für Österreich. Krankl versenkt den Freistoß zum 2:0. Der Anschlusstreffer der Polen ist nur noch Ergebniskosmetik.

24.) Am 24.09.1977 geht es in Wien in der WM-Qualifikation gegen die DDR. Österreich geht früh durch Kreuz in Führung. Hoffmann gelingt für die DDR noch vor der Pause der Ausgleich. In der turbulenten Schlussphase wird ein Treffer der  Österreicher aberkannt und Hans Krankl ausgeschlossen. Sepp Stering ist wieder 90 Minuten dabei.

25.) Auch beim Rückspiel am 12.10.1977 in Leipzig steht Stering in der Startformation. Der ÖFB-Auswahl geht durch Hattenberger in Führung . Stering scheitert in der 50. Minute an Croy. Im Gegenzug gelingt den Ostdeutschen durch Löwe der Ausgleich. Das Leipziger Zentralstadion ist an diesem Tag mit 95.000 Zusehern gefüllt. Österreich holt mit einem 1:1 einen wichtigen Punkt in der WM-Qualifikation. Für Sepp Stering, der durchspielt, ist dieses Match ein kleines Jubliäum: 25.Länderspiel für Österreich

26.) Am 30.11.1977 steigt in Izmir das entscheidende WM-Qualifikationsspiel gegen die Türkei. 80.000 Zuseher sorgen für einen Hexenkessel. Österreich muss gewinnen um die DDR in der Tabelle zu überholen. Prohaska gelingt in der 72. Minute der Führungstreffer. Die ÖFB-Auswahl bringt das 1:0 über die Zeit und qualifiziert sich erstmals seit 1958 wieder für eine Weltmeisterschaft. Das dies das letzte Länderspiel für den 28jährigen Stering sein sollte, konnte damals noch niemand ahnen.

Am 05.11.1977 wird Stering im Bundesligamatch gegen die Admira brutal gefoult und erleidet dabei eine schwere Knieverletzung. Stering fällt für den Rest der Saison aus. Obwohl Stering in der Reha alles versucht, wird er nicht für die Weltmeisterschaft 1978 fit. Im Sommer 1978 wechselt er von Innsbruck zu 1860 München.

Nach der WM wird der Vertrag von Teamchef Senekowitsch überraschend nicht verlängert und Karl Stotz wird neuer ÖFB-Teamchef. Unter Stotz gelingt zwar den GAK-Spielern Mario Zuenelli und Gerd Steinkogler der Sprung ins Nationalteam, Stering ist aber trotz guter Leistungen bei 1860 München (Bundesligaaufstieg) nur einmal in den Teamkader gegen Norwegen (EM-Qualifikation, 20.08.1979) berufen, wird dabei aber nicht einmal auf die Ersatzbank gesetzt.

Im Jahr 1982 wird das ÖFB-Team vom Duo Felix Latzke und Georg Schmid gecoacht. Obwohl der GAK bestes Frühjahrsteam ist und in der Meisterschaft den ausgezeichneten dritten Platz erreicht, wird Stering nicht in Teamkader für die WM in Spanien berufen. Stering spielte eine 1981/82 eine starke Saison mit 35 Einsätzen (alle über 90 Minuten) und erzielte als Mittelfeldspieler 7 Tore. Er hätte dem Team, das in Spanien nie als Einheit auftrat und weit unter seinem Möglichkeiten blieb, mit seinem Kämpferherz und Einsatzwillen sicherlich entscheidend helfen können. Das Kapitel „Nationalteam“ war somit endgültig beendet.

Sepp Stering’s Teamkarriere gesamt

26 Länderspiele/5 Tore/14 mal über 90 Minuten/6 mal ausgewechselt/6 mal eingewechselt

15 Siege/7 Unentschieden/4 Niederlagen

Pflichtspiele:

4mal EM-Qualifikation/1 Tor (3mal über 90 Minuten/1 mal eingewechselt) (3 Siege/1 Niederlage)

7mal WM-Qualifikation/2 Tore (4mal über 90 Minuten/2. Mal ausgewechselt, 1 mal eingewechselt)  (4 Siege/2 Unentschieden/1 Niederlage)

In der WM-Qualifikation für die WM 1978 war Stering bei allen 6 Spielen in der Startformation und lediglich bei 18 Spielminuten (als er gegen Malta verletzt ausschied) nicht auf dem Spielfeld.

Stering kam unter 3 Teamchefs zum Einsatz: unter Stastny 13mal, unter Elsner 1mal, unter Senekowitsch 12mal (als Vereinsspieler GAK 3/VOEST Linz 9/SSW Innsbruck 14).

Johannes Gießauf, Jörg Smolniker

Fotos: © Fischer/Sammlung GAK 1902, Archiv Hansi Schilcher, Pennitz/Sammlung Wiener-Pucher/Sammlung GAK 1902

Quellen: https://history.tivoli12.at/2008/12/03/josef-stering/, https://www.weltfussball.at/spieler_profil/josef-stering/, http://www.wackerarchiv.co.at/spieler/stering.htm, https://www.kicker.at/josef-stering/laufbahn, Herbert Rienessel, Der GAK in der Saison 1980/81

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