Wir erinnern heute an eine Persönlichkeit, die wie kaum ein anderer für den Sportgeist, die Vielseitigkeit und die Verbundenheit mit dem GAK stand: Jörg „Jörgerl“ Haase. Genau heute vor einem Jahr, am 17. Mai 2025, verstarb er im Alter von 85 Jahren. Mit ihm verlor Graz nicht nur einen leidenschaftlichen Sportler, sondern auch einen Menschen, der über Jahrzehnte hinweg den Athletikersport und das Vereinsleben mitprägte.
Geboren wurde Jörg Haase am 15. Juni 1939 in Graz. Er entstammte einer traditionsreichen Grazer Unternehmerfamilie. Das bereits 1859 gegründete Unternehmen HAASE entwickelte sich über Generationen hinweg zu einem bedeutenden Betrieb der Seilerei. Schon früh spezialisierte man sich auf Natur- und später Stahlseile, die bis heute für unterschiedlichste Anforderungen produziert werden. Der Firmensitz befand sich lange Zeit in der Karlauer Straße, mit frühen Verkaufsstellen in der Griesgasse und am damaligen Murplatz, dem heutigen Südtirolerplatz. Im Jahr 1989 übersiedelte die HAASE GmbH schließlich nach Puntigam in die Gradnerstraße.
Jörg war Einzelkind. Sein Vater Ludwig Haase war Seilermeister, seine Mutter Ottilie arbeitete bis zu ihrem 85. Lebensjahr engagiert im Familienbetrieb als Verkäuferin. Pflichtbewusstsein, Zusammenhalt und Einsatzbereitschaft prägten daher schon früh sein Leben – Werte, die ihn auch sportlich begleiteten.
Seine ersten sportlichen Erfahrungen sammelte Jörg beim Allgemeinen Turnverein Graz, dem ATG und später beim Akademischer Sportverein Graz (ASV). In den 1950er-Jahren war der Sport für viele junge Menschen weit mehr als nur Freizeitbeschäftigung, er war Ausdruck von Gemeinschaft, Ehrgeiz und Lebensfreude. Wie viele seiner Generation versuchte sich auch Jörg in unterschiedlichen Disziplinen. Er war als Turner aktiv, betrieb Leichtathletik, Basketball und Faustball und zeigte schon früh außergewöhnliches Talent.
Besonders der Fußball entwickelte sich bald zu seiner großen Leidenschaft. Nach Stationen bei der Grazer Austria und dem Grazer Sportklub (GSK) wurde sein Können auch über die Vereinsgrenzen hinaus erkannt. Einsätze in Auswahlmannschaften des Bundesheeres sowie in der steirischen Auswahl bestätigten sein Talent. Im Sommer 1962 erfolgte schließlich gemeinsam mit seinem langjährigen Freund Dr. Helmut „Heli“ Hauser sowie Gerald „Gerry“ Erkinger der Wechsel zum Grazer Athletiksport Klub – jenem Verein, der später zu seinem Herzensverein werden sollte.
Die beiden Saisonen von 1962 bis 1964 zählen zu den sportlich eindrucksvollsten Jahren seiner Karriere. Mit dem GAK erlebte Jörg Haase außergewöhnliche internationale Reisen und Spiele. Besonders in Erinnerung blieb eine vierwöchige Afrikareise im Jänner 1964 in den Sudan. Dort trat man unter anderem gegen namhafte Mannschaften wie Roter Stern Belgrad an und Auswahlteams aus dem Sudan selbst, wie z.B. Al-Hilal. Auf der langen Heimreise lag man ein Gastspiel in Athen gegen A.E.K. ein. Ebenso unvergessen war ein Freundschaftsspiel gegen Flamengo Rio sowie eine Dreiländertournee gegen deutsche, niederländische und belgische Teams, wie z.B. Standard Lüttich.
Insgesamt absolvierte Jörg Haase 17 Einsätze in der höchsten österreichischen Spielklasse, der damaligen Staatsliga, und spielte dabei gegen sämtlichen großen Klubs jener Zeit. Auch im Cupbewerb kam er zum Einsatz und bewies dabei stets Verlässlichkeit, Einsatzwillen und sportliche Fairness als Verteidiger.
Seine Fußballkarriere endete jedoch früher als geplant. Nachdem sein Vater einen Herzinfarkt erlitten hatte, musste Jörg unmittelbar Verantwortung im Familienunternehmen übernehmen. Der Betrieb verlangte seinen vollen Einsatz, wodurch der Fußball in den Hintergrund rückte. Dennoch blieb der Sport ein zentraler Bestandteil seines Lebens. Basketball und Tennis betrieb er für den GAK weiterhin mit großer Leidenschaft, wenn auch nicht mehr auf professioneller Ebene.
Besonders erfolgreich wurde Jörg Haase später im Tennissport. Ab 1991 machte er gemeinsam mit Dr. Gunther Iberer die Seniorenmeisterschaften salonfähig und sorgte dafür, dass der Tennissport auch im höheren Alter eine neue Wertschätzung erhielt. Mit dem 45+-Team erreichte man den zweiten Platz in der Landesliga B. Den größten Triumph feierte Jörg jedoch im Jahr 2001, als er mit der Mannschaft in der Kategorie 60+ den Landesliga-A-Meistertitel errang. Gemeinsam mit Iberer, Otte, Nierhaus, Wressnig, Gilg, Guggi, Klautzer und Mayr schrieb er damit ein weiteres Kapitel steirischer Sportgeschichte.
Auch abseits des Wettkampfs war Jörgerl ein Ideengeber und Organisator. Gemeinsam mit Adi Gilg entwickelte er das legendäre Cottage-Turnier, das mit seinem besonderen Spielmodus aus Damen- und Herren-Doppel sowie abschließenden Mixed-Paarungen über viele Jahre hinweg für Begeisterung sorgte und einen besonderen gesellschaftlichen Charakter erhielt.
Eine ganz besondere Rolle spielte in seinem Leben seine Ehefrau Roswitha, geborene Gerngross. Kennengelernt hatten sich die beiden beim Sport im ATG. Rosi war selbst leidenschaftliche Leichtathletin, Faustballspielerin und begeisterte Skitourengeherin. Die gemeinsame Liebe zum Sport verband sie von Beginn an. Am 7. Juli 1960 heirateten sie und gründeten eine Familie, in der Bewegung und sportlicher Ehrgeiz selbstverständlich waren.
Die vier Kinder der Familie Haase erbten diese Begeisterung. Tochter Petra war in den 1970er- und frühen 1980er-Jahren äußerst erfolgreich in der rhythmischen Sportgymnastik und wurde dabei tatkräftig von ihrer Schwester Jutta unterstützt, die später als Schilehrerin in Zell am See tätig war. Tochter Karin schaffte den Sprung in den steirischen Schikader, während Sohn Jörg bis heute als Qigong-Meister Trainingseinheiten abhält.
Jörg „Jörgerl“ Haase verkörperte eine Zeit, in der Sport nicht nur Wettbewerb bedeutete, sondern Gemeinschaft, Freundschaft und Lebenshaltung. Ob als Fußballer, Tennisspieler, Turner, Basketballer oder Unterstützer des Vereinslebens – er blieb stets bescheiden, herzlich und dem Sport tief verbunden. Sein Name wird beim GAK und weit darüber hinaus in ehrender Erinnerung bleiben.
Dominik S. Garber
Fotos: © Fischer/Sammlung GAK 1902, Privatfotos Nicolas Auerbach, Privatfoto Gustav Brettner
Titelfoto: Basketballspiel in den späten 1950er Jahren bei der Landesturnhalle in Graz für den ATG. Haase mit der Nummer 3 am Ball © Privatfoto Nicolas Auerbach
Anrissfoto: Portrait Jörg Haase © Privatfoto Nicolas Auerbach